Mathematische Grundlagen

Endliche Körper

Ein Körper (engl.: field) ist grob gesagt eine Menge von Elementen, mit denen Sie in gewohnter Weise rechnen können – wie mit den reellen Zahlen. Sie können also Elemente des Körpers addieren, subtrahieren, multi­plizieren und dividieren (außer durch 0).

Dies ist gewähr­leistet, wenn die im Folgenden angegebenen Körperaxiome gelten.

Körperaxiome

Definition:  Sei K eine Menge mit den Ver­knüpfungen + (Addition) und · (Multi­plikation). Eine Verknüpfung ist eine Abbildung K × K → K.

  1. die Verknüpfung + ist assoziativ, es gilt (a + b) + c  =  a + (b + c) für alle a, b, c ∈ K
  2. die Verknüpfung + ist kommutativ, es gilt a + b  =  b + a für alle a, b ∈ K
  3. es gibt ein neutrales Element der Addition, also ein Element 0 ∈ K mit a + 0 = a für alle a ∈ K
  4. für jedes Element a ∈ K gibt es ein additiv inverses Element -a ∈ K mit a + (-a)  =  0

     

     

  5. die Verknüpfung · ist assoziativ, es gilt (a · b) · c  =  a · (b · c) für alle a, b, c ∈ K
  6. die Verknüpfung · ist kommutativ, es gilt a · b  =  b · a für alle a, b ∈ K
  7. es gibt ein neutrales Element der Multi­plikation, also ein Element 1 ∈ K mit a · 1 = a für alle a ∈ K
  8. für jedes Element a ∈ K \ {0} gibt es ein multi­plikativ inverses Element a-1 ∈ K mit a · a-1  =  1

     

     

  9. es gilt das Distributiv­gesetz a·(b + c)  =  a·b + a·c für alle a, b, c ∈ K

Die Axiome 1-4 besagen, dass (K, +, 0), also die Menge K mit der Verknüpfung + und neutralem Element 0, eine abelsche (d.h. kommutative) Gruppe darstellt.

Die Axiome 5-8 besagen, dass (K \ {0}, ·, 1), also die Menge K \ {0} mit der Verknüpfung · und neutralem Element 1, eine abelsche Gruppe darstellt.

Die beiden Ver­knüpfungen + und · hängen über das Distributiv­gesetz (Axiom 9) zusammen.

 

Wenn die Menge K eine endliche Menge ist, so ist K ein endlicher Körper. Die einzigen endlichen Körper bestehen jeweils aus pm Elementen, mit p Primzahl und m ∈ ℕ.

 

Körper ℤp mit p Primzahl

Der einfachste endliche Körper ist die Menge ℤ2 = {0, 1} mit den Ver­knüpfungen +2 (Addition modulo 2) und ·2 (Multi­plikation modulo 2).

Satz:  Wenn p eine Primzahl ist, so ist die Menge ℤp = {0, ..., p-1} mit den Ver­knüpfungen +p (Addition modulo p) und ·p (Multi­plikation modulo p) ein Körper. Die 0 ist das neutrale Element der Addition, die 1 ist das neutrale Element der Multi­plikation.

Bemerkung:  Statt ℤp ist auch die Bezeichnung 𝔽p üblich, die auf die Struktur des Körpers (field) hinweist.

Aufgabe 1:  

Sei p = 7. Bestimmen Sie im Körper 𝔽7 für jedes Element jeweils das additiv inverse sowie das multi­plikativ inverse Element:

a 0123456
-a   5
a-1   4

 

Das additiv inverse Element beispiels­weise zu 2 ist 5, denn 2 +7 5 = 0, und das multi­plikativ inverse Element zu 2 ist 4, denn 2 ·7 4 = 1.

Satz:  Jeder endliche Körper mit p Elementen (p Primzahl) ist zu dem Körper 𝔽p isomorph.

Sie haben einen Körper mit den Elementen {a, b, c, d, e, f, g} konstruiert, indem Sie Ver­knüpfungen + und · zwischen diesen Elementen definiert haben, die die Körperaxiome erfüllen. Dann erhalten Sie durch geeignete Umbenennung der Elemente a, b, c, d, e, f, g in die Zahlen 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6 den Körper 𝔽7.

 

Erweiterungskörper

Es gibt auch Körper 𝔽n, wobei n keine Primzahl ist. Dann aber ist n eine Primzahl­potenz n = pm.

Sie erhalten einen Erweiterungs­körper über einem endlichen Grundkörper K als Menge L aller Polynome vom Grad  < m mit Koeffizienten aus K:

L  =  { am-1·xm-1 + ... + a0·x0  |  m ∈ ℕ,  ai ∈ K }

Sie sehen sofort, dass eine auf diese Weise konstruierte Menge L genau pm Elemente enthält, wenn p die Anzahl der Elemente des Grundkörpers K ist, denn Sie haben für jeden der m Koeffizienten jeweils p Wahl­möglichkeiten.

Beispiel:  Es ist K = ℤ5  =  {0, ..., 4}, ferner m = 2. Dann besteht L aus der Menge aller Polynome vom Grad  < 2 mit Koeffizienten aus K:

L  =  { a1·x + a0  |  ai ∈ K }

So sind etwa die Polynome f = 3x + 4 und g = 4x + 2 Elemente von L.

 

Wie aber sind die Addition und die Multi­plikation auf der Menge L definiert?

Addition

Die Addition von zwei Polynomen aus L entspricht der gewohnten Polynom-Addition, also der koeffizientenweisen Addition, jedoch modulo p, wenn ℤp der zugrunde­liegende Körper K ist.

Definition:  (Addition + in L)

Die Addition + im Erweiterungs­körper L aller Polynome vom Grad  < m über dem Körper ℤp ist folgender­maßen definiert.

am-1·xm-1 + ... + a0·x0   +   bm-1·xm-1 + ... + b0·x0   =   (am-1 +p bm-1xm-1 + ... + (a0 +p b0x0

Mit den Koeffizienten rechnen Sie modulo p, wenn ℤp der zugrunde­liegende Körper des Erweiterungs­körpers L ist.

Beispiel:  

Im Beispiel addieren Sie die Polynome f = 3x + 4 und g = 4x + 2 wie folgt. Weil der Körper K = ℤ5 zugrundeliegt, addieren Sie die Koeffizienten modulo 5:

f + g  =  3x + 4  +  4x + 2  =  (3+4)x + 4+2   =  2x + 1

Multi­plikation

Die Multi­plikation  •  von zwei Polynomen aus L entspricht zunächst der gewohnten Polynom-Multi­plikation. Dabei kann als Ergebnis jedoch ein Polynom vom Grad  ≥ m herauskommen, also ein Polynom, das nicht in der Menge L liegt. Deshalb wird das Ergebnis noch modulo eines bestimmten Polynoms z vom Grad m reduziert.

Beispiel:  Um die Polynome f und g aus dem Beispiel zu multi­plizieren, führen Sie zunächst die gewohnte Polynom-Multi­plikation aus:

(3x + 4) · (4x + 2)  =  12x2 + 6x + 16x + 8

Mit den Koeffizienten rechnen Sie modulo 5 und erhalten das Ergebnis

2x2 + 2x + 3

Dieses Ergebnis reduzieren Sie noch modulo des festgelegten Polynoms z = x2 + 3:

(2x2 + 2x + 3) mod (x2 + 3)   =   2x2 + 2x + 3 – 2·(x2 + 3)   =   2x + 2

Damit haben Sie wieder ein Polynom erhalten, das in L liegt.

 

Definition:  (Multi­plikation  •  in L)

Die Multi­plikation  •  im Erweiterungs­körper L aller Polynome vom Grad  < m über dem Körper ℤp ist folgender­maßen definiert.

f • g  =  f · g  mod z

Hierbei ist z ein festgelegtes irreduzibles Polynom vom Grad m. Mit den Koeffizienten rechnen Sie modulo p, wenn ℤp der zugrunde­liegende Körper des Erweiterungs­körpers L ist.

Es stellt sich heraus, dass die Menge L aller Polynome vom Grad  < m mit der so festgelegten Addition und Multi­plikation einen Körper (L, +,  • , 0, 1) darstellt.

Der Grundkörper K ist ein Teilkörper dieses Erweiterungs­körpers L, bestehend aus allen Polynomen vom Grad  < 1.

Je nachdem, welches irreduzible Polynom z Sie bei der Multi­plikation verwenden, erhalten Sie natürlich unter­schiedliche Multi­plikationstabellen und damit unter­schiedliche Körper. Tatsächlich aber sind diese Körper alle isomorph zueinander.

Satz:  Jeder endliche Körper besteht aus pm Elementen mit p Primzahl und m ∈ ℕ, und zu jedem p und jedem m lässt sich in der dar­gestellten Weise ein endlicher Körper konstruieren, und tatsächlich ist dieser bis auf Isomorphie der einzige Körper mit pm Elementen.

Ein endlicher Körper mit n Elementen wird mit 𝔽n bezeichnet, oder auch mit GF(n). Hierbei bedeutet GF Galois Field (nach E. Galois).

Anwendungen

Elliptische Kurven in der Kryptografie werden über einem Körper ℤp mit p Primzahl gebildet.

Beim AES-Ver­schlüsselungsverfahren wird der Körper 𝔽28 zugrunde­gelegt.

 

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Created: 23.04.2025   Updated: 08.04.2026
Diese Webseiten sind größtenteils während meiner Lehrtätigkeit an der Hochschule Flensburg entstanden